zurück     |       |   Seite drucken    
                                       Pegasus-Onlinezeitschrift IV/3 (2004), 66

Hinnerk Otten, Dan Drescher, Marita Müller

Mutatas dicere formas Ovid-Projekt Berlin/Potsdam:
Wie klangen Ovids Metamorphosen ?
Rekonstruktion und Rezitation.
Die Ovid-Galerie in den Neuen Kammern in Potsdam-Sanssouci in Bild, Text und Ton

http://www.telemachos.hu-berlin.de/materialien/ovidprojekt/start/start.html

Die Ovid-Galerie der Neuen Kammern im Schlosspark Potsdam-Sanssouci wird von vierzehn vergoldeten Stuckreliefs geschmückt, die Szenen ausgewählter Mythen aus Ovids Metamorphosen darstellen. Diese Mythendarstellungen sind Ausgangspunkt unseres Projekts, das neben Fotografien der Reliefs sowie einem kunsthistorischen Kommentar und einer Kurzdarstellung der Mythen die jeweils zugehörigen Texte Ovids sowohl lateinisch als auch in deutscher Übersetzung schriftlich und akustisch im Internet zur Verfügung stellt. Bild, Text und Rezitation sollen dabei eine Synthese bilden.

Grundlage der Rezitation ist die historische Aussprache ( pronuntiatus restitutus ) zur Zeit Ovids, also in der sogenannten klassischen Zeit. Neben dem Versuch einer dem derzeitigen Forschungsstand entsprechenden Aussprache der lateinischen Laute steht dabei insbesondere das Bemühen im Vordergrund, die metrischen und prosodischen Gegebenheiten des Textes zu realisieren, das heißt einerseits die Quantitäten der Silben möglichst genau umzusetzen; andererseits soll aber der Wortakzent der lateinischen Prosa auch bei der Gedichtrezitation beibehalten, dagegen der in antiker Versdichtung ursprünglich nicht vorhandene Iktus vermieden werden. In den Tonbeispielen werden also ausgewählte Mythen aus Ovids Metamorphosen ohne den in der Schulmetrik bislang wider besseren Wissens, wenn auch aus nachvollziehbaren didaktischen Gründen immer noch üblichen Versiktus, sondern mit ursprünglicher Wortbetonung und unter strikter Beachtung der Längen und Kürzen der Silben gelesen. Zusätzlich zu dem lateinischen Originaltext wird auch eine deutsche Übersetzung (von R. Suchier in der Bearbeitung von L. Huchthausen bzw. M. und S. Bernart) in Schrift und Ton zur Verfügung gestellt.

Für den Einsatz in der Schule sind zunächst die Stuckreliefs der seit kurzem wieder öffentlich zugänglichen Neuen Kammern als Zeugnis neuzeitlicher Ovidrezeption in der Bildenden Kunst interessant; die kunsthistorischen Einführungen bieten zudem eine Unterstützung für deren Behandlung im Unterricht. Die rezitierten Texte können als Hilfestellung für die Einführung in die lateinische Metrik im Lateinunterricht genutzt werden, insbesondere wenn vom traditionellen iktierenden Lesen Abstand genommen und die Quantitäten verstärkt berücksichtigt werden sollen; davon unabhängig sind sie auch allgemein für die Ovid-Behandlung im Lateinunterricht von Nutzen. Alle Erkenntnisse hinsichtlich Prosodie und Metrik, die im Laufe des Projekts gewonnen wurden, sind als Regeln unter Angabe der Quellen und Fachliteratur angegeben, so dass nicht nur die jeweiligen Texte beispielhaft vorgetragen, sondern auch die wissenschaftlichen Ergebnisse, die praktisch in die Rezitation eingeflossen sind, veröffentlicht werden.


Hinnerk Otten, Dan Drescher, Marita Müller